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Pflanzenmedizin bedroht Heilpflanzen
 
 

umg.info 2004

Aktuelles aus Wissenschaft und Forschung

Pflanzenmedizin bedroht Heilpflanzen
Zwei Drittel der Phytopharmaka werden in freier Wildbahn geerntet

Zahlreiche Heilpflanzen sind durch intensive Ernte bedroht, berichtet das Wissenschaftsmagazin New Scientist. Für einen Großteil der Erdbevölkerung sind pflanzliche Wirkstoffe die einzigen verfügbaren Medikamente. In einigen Staaten sind bis zu 80 Prozent der Einwohner auf diese Heilmittel angewiesen. Etwa zwei Drittel der rund 50.000 Heilpflanzen werden in freier Wildbahn geerntet, nur ein Bruchteil wird in Hausgärten oder am Feld gezogen. Nach ersten Schätzungen von Experten sind zwischen 4.000 und 10.000 dieser Pflanzen vom Aussterben bedroht. Alan Hamilton sieht das Problem vor allem in der Marktexplosion in Europa und in den USA. Um zehn Prozent jährlich ist der Bedarf an Heilpflanzen und Produkten in den vergangenen zehn Jahren gestiegen. Der Weltmarkt wird auf jährlich etwa 16 Mrd. Euro geschätzt.
Dramatisch wird das Aussterben der Pflanzen dann, wenn Menschen in armen Ländern wie Indien und China nicht mehr auf die nachwachsenden traditionellen Heilpflanzen zurück- greifen können. Hamilton, der Mitglied der World Conservation Union Specialist Group for Medical Plants ist, hat eine Richtlinie über das nachhaltige Ernten von Heilpflanzern verfasst, die von der Umweltorganisation Plantlife veröffentlicht wird. Am stärksten betroffen sind nach Angaben des Forschers einige Pflanzen in Ostasien, deren Wirkstoffe in der Ersten Welt bei Hauterkrankungen oder in der Krebsmedizin Verwendung finden. Die meisten europäischen Hersteller kümmern sich wenig bis gar nicht um Nachhaltigkeit bei der Ernte der Heilmittel. Ein besonders negatives Beispiel ist die afrikanische Kirsche (Prunus africana), deren Rinde in der Prostatabe- handlung Verwendung findet. Rücksichtsloses Ernten hat die Pflanze ausgerottet (pte).